Mittwoch, 15. August 2012

15. August

Heute ist Mariä Himmelfahrt. Das ist in Belgien und Frankreich einer der höchsten Feiertage und gewöhnlich der Auftakt zu einer Reihe von Pilgerzügen nach Lourdes. Dann werden ganze Züge voller Alter und Kranker ausgerechnet in den heißesten Wochen des Jahres quer durch Europa gefahren und hinterher beschwert sich, wie jedes Jahr, in Belgien wieder irgendein Monsignore, dass die SNCF für die paar Tage im Jahr keine klimatisierten Lazarettwagen vorhält.

An der Küste des Nord-Pas-de-Calais wird in vielen Orten das Meer gesegnet. Eine alte Tradition, wie die Voix du Nord online zu berichten weiß. Immerhin seit 104 Jahren. Ich dachte immer, das Meer und die Katholen seien schon länger da. 

A propos Katholen - die beten heute in Frankreich auf Anordnung von Kardinal André Vingt-Trois (der heißt wirklich so) gegen die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben. Dazu wird in den Kirchen eigens eine vom Kardinal verfasste Hasspredigt verlesen. Das ist zwar völlig witzlos, denn die Öffnung kommt nächstes Jahr so oder so, aber irgendwie müssen sie ihre Ewiggestrigkeit offenbar doch zur Schau stellen.

Bild: Le Portel (62), J. Capez, CC-BY-SA, Wikimedia

Dienstag, 14. August 2012

Geschichten aus dem real existierenden Kapitalismus (11)

Heute: Textbausteine  

Bin ich der Einzige, dem die ewigen Textbausteine auf den Zeiger gehen? Also die, wo der Mensch - wenn es den noch einer ist - im Support meine Anfrage quergelesen, sich das erstbeste Stichwort ausgesucht und daraufhin irgendeinen Textbaustein auf die Reise geschickt hat, der mit der Frage absolut rein überhaupt garnix zu tun hat.

Ende letzter Woche kam so einer als Antwort auf eine Supportanfrage bei einem sehr bekannten Hersteller von NAS-Speicherlösungen. Ich hatte unmissverständlich klargemacht, dass ihre tolle DiskStation mausetot war und sich nicht einmal mehr einschalten ließ. Zurück kam ein Textbaustein, ich solle ihnen zu dem Gerät einen Onlinezugang einrichten. 

Gerade eben kam von iSkysoft auf die Frage, in welcher Reihenfolge die Kanäle in einer 6kanaligen WAV-Datei sein müssen, damit sie von deren Videokonverter richtig nach AC3 konvertiert wird, ein allgemeiner Textbaustein zur Videocodierung mit Verweis auf ein FAQ, wo zu dem Thema auch nix steht.

Mittlerweile kriegt bei mir jedes Produkt, dessen Support nix taugt, in den Amazon-Rezensionen gnadenlos nur noch höchstens drei Sterne, oft auch weniger. Was nutzt mir das schönste Produkt, wenn ich nicht vernünftig damit arbeiten kann, weil der Hersteller versucht, mich mit irgendwelchen dämlichen Textbausteinen abzuspeisen?

Montag, 13. August 2012

Dispositif ralentisseur

Zu Deutsch etwa: Verlangsamungseinrichtung

Bei Verviers (B)

Sonntag, 12. August 2012

Wiegeplatz für L.K.V.S.S

Comilog (ex Société de Ferromanganèse Paris - Outreau, SFPO)

Boulogne-sur-Mer (62) - 2003

Contarex, Planar 2/50 mm

Samstag, 11. August 2012

My Little Ferry: Zurück in Calais

Die Rodin und die Berlioz sind gestern aus Dünkirchen nach Calais zurückgekehrt. La Voix du Nord hat einen Artikel und ein Video dazu. Am 20. August soll es losgehen. Die NPC kommt später nach.

Freitag, 10. August 2012

Areclor: BBB-

Nach S&P hat nun auch Fitch das Rating von Arcelor nach unten korrigiert, und zwar von BBB nach BBB-. Also negative Prognose. Die Ratingbuden trauen Arcelor nicht zu, bei der aktuellen schlechten Marktlage ihre Schulden abzubauen.Was das für die Standorte im europäischen Binnenland bedeutet, mag sich jeder selbst ausmalen.

Und da eine schlechte Nachricht selten allein kommt, meldet das französische Wirtschaftsblatt Les Echos heute, dass die Sowjets... pardon... die Russen hoffen, dass nach ihrer Aufnahme in die Welthandelsorganisation auch die Quoten für ihre Stahlexporte in die EU wegfallen. Bei einem aktuellen Export von nur 3,2 Mio. Tonnen jährlich sollte da angesichts einer Produktion von 69 Mio. Tonnen im vergangenen Jahr noch einiges zu machen sein. 

Quellen: La Tribune, Les Echos

Sonntag, 5. August 2012

Motoring in Flanders

In Flandern gibt es drei Sorten von Straßen: Autobahnen, Umleitungen und Sackgassen.

So oder ähnlich würde, wenn ich ein amerikanischer Reiseschriftsteller wäre,  mein Buch über Flandern anfangen. Fiel mir nur gestern wieder auf, als ich - mal eben - von Lanaken nach Briegden fahren wollte.

Das macht das kleinzellige Erkunden von Landschaft und Industriekultur zu einer harten Prüfung für Mensch und Maschine. Man sieht irgendwas weithin sichtbar in der Gegend stehen und es ist ums Verrecken kein Herankommen, weil auf der einen Seite die Straße gesperrt ist und auf der anderen die Brücke über den Kanal fehlt. Die nächste Brücke ist dann nur in der falschen Richtung befahrbar.

Foto: Einbau der neuen Brücke über den Albertkanal zwischen Lanaken und Briegden - Pentax K-5, SMC-M 2/35 mm, ISO 800, f4, 1/10 s

Mittwoch, 1. August 2012

Arcelor: Schließung der Flüssigphase in Lüttich jetzt offiziell

Auch wenn niemand mehr wirklich daran gezweifelt hatte, ist die Stilllegung der Flüssigphase in Lüttich mit zwei Hochöfen und einem LD-Stahlwerk erst seit gestern offiziell, denn die Informations- und Beratungsphase im sog. Renault-Verfahren ist nun abgeschlossen.

Nachdem der Name Renault in diesem Zusammenhang immer wieder auftaucht, hier eine kurze Erklärung: 1997 hat Renault das Montagewerk im belgischen Vilvorde unter Ausnutzung einiger Gesetzeslücken von heute auf morgen geschlossen, wobei 3500 Beschäftigte ohne jede Vorwarnung und ohne Sozialplan auf der Straße standen. Dazu kamen weitere 1000 Arbeitnehmer bei Zulieferern. Daraufhin ist eine gesetzliche Regelung geschaffen worden, die das Verfahren bei Massenentlassungen festlegt. So muss zuerst die Betriebsversammlung informiert werden, es ist eine Informations- und Beratungsphase zu eventuellen Alternativen vorgeschrieben und es muss ein Sozialplan erstellt werden. Diese Bestimmungen sind in Belgien als loi Renault, also das Renault-Gesetz, bekannt, und das zugehörige Verfahren als la procédure Renault

Als nächstes folgt jetzt die Phase, in der zwischen Unternehmensleitung und Gewerkschaften der Sozialplan ausgehandelt wird. Die Anzahl der betroffenen Arbeitnehmer ist unterdessen von 460 auf knapp 800 gestiegen.

Foto: LD-Stahlwerk in Chertal, 2007