Donnerstag, 9. Juni 2016

Tarte au Riz: die Petition


Jetzt gibt es im Internet eine Petition zur Rettung der Tarte au Riz nach dem Originalrezept aus Verviers. Initiator ist das Convivium Slow Food  Metropolitan Brussels.


Dort ist man der Ansicht, die Argumentation der AFSCA sei unsinnig, da die Reistorte samt Füllung gebacken würde und Probleme wegen Keimen in der Rohmilch so erst gar nicht entstehen könnten.

Vielmehr wolle die AFSCA, nachdem sie in ihrem Übereifer bereits den originalen Limburger Käse auf dem Gewissen hat, den Herrschaften bei Danone, Müller und Tuffi ein weiteres Rohmilchprodukt aus dem Weg räumen. Schließlich verdienen die Konzerne nichts daran, wenn die Bauern ihre Milch direkt an die Bäcker verkaufen.

Zur Unterzeichnung der Petition bitte -> hier lang. Danke.

Mittwoch, 8. Juni 2016

Das Ende der traditionellen Reistorte?

Eine der beliebtesten belgischen Spezialitäten ist ohne Frage die Reistorte, die Tarte au Riz. Ursprünglich stammt sie aus Verviers, aber sie wird schon seit vielen Jahren in ganz Belgien angeboten. 

Obwohl, so gut wie in Verviers ist sie nirgends. Eine richtige Reistorte ist ganz in der Mitte noch fast flüssig.  Je weiter man sich von der Stadt an der Weser entfernt, desto mehr ist sie durchgebacken und in Ostende muss man schon dazu trinken.

In Verviers und Umgebung wird sie zudem aus Rohmilch direkt vom Bauern hergestellt und im Bäckerladen bis zum Verkauf nicht gekühlt. Nur so behält sie ihr unvergleichliches Aroma.

Das hat lange Zeit niemand gestört. Doch in den letzten Jahren hat sich die Föderale Agentur für die Sicherheit der Nahrungskette (AFSCA) dem Kampf gegen die Rohmilch verschrieben. Erstes Opfer ihrer Regulierungswut war der berühmte Fromage de Herve, bei uns auch als Limburger Käse bekannt. Mehrmals hat die AFSCA dem letzten Produzenten, der ihn noch nach dem originalen Rezept hergestellt hat, die gesamte Produktion beschlagnahmt. 

Jetzt geht es der Reistorte an den Kragen. Die soll nach dem Willen der AFSCA künftig nur noch aus pasteurisierter Milch hergestellt und ordentlich gekühlt werden. Nun regt sich selbst in der Politik erster Widerstand gegen diese Maßnahme. Man darf gespannt sein. Und wer die Gelegenheit dazu hat, der sollte dringend noch eine richtige Tarte au Riz aus Verviers probieren, bevor auch sie zu Tode reguliert wird.  

Foto: Wikimedia, Frinck51, CC BY-SA 3.0

Sonntag, 22. Mai 2016

Baignade interdite

Boulogne sur Mer (62), Pfingsten 1998 - Yashica Mat

Mittwoch, 11. Mai 2016

Immer mehr Züge kommen pünktlich an

Jahrelang gab es in Belgien Klagen über die ewige Unpünktlichkeit der Züge. Nun meldet die SNCB, dass immer mehr Züge ihr Ziel pünktlich erreichen. Bemessen hat sie das daran, dass im letzten Jahr 19 Prozent weniger Reisende Anträge für die Erstattungen gestellt haben, auf die sie bei Verspätungen ab einer gewissen Dauer Anspruch haben. Das geht bis zu 100 Prozent bei Verspätungen von mehr als einer Stunde.

Weniger auskunftsfreudig zeigt sich die Bahngesellschaft dazu, wie ihr dieses Wunder gelungen ist. Sie haben nämlich einfach die Fahrzeiten gestreckt. So dauert eine Fahrt von Brüssel nach Antwerpen heute wieder so lange wie zuletzt 1938 mit dem Dampfross.

Dienstag, 10. Mai 2016

NPC geht nach Spanien

Übermorgen soll die Nord Pas-de-Calais den Hafen von Dünkirchen endgültig verlassen. Sie geht nach Südspanien und wird dort im Fährverkehr zwischen Spanien und Marokko eingesetzt.

Damit geht auch ein Stück Stadtgeschichte verloren, denn sie ist das letzte von der Normed in Dünkirchen gebaute Schiff. Nach ihrer Auslieferung im Frühjahr 1987 wurde die Werft geschlossen. 

Ihre ersten Betriebsjahre hatte sie als LKW- und vor allem Eisenbahnfähre zwischen Dünkirchen und Dover verbracht, bevor sie mit der Aufnahme des Bahnverkehrs durch den Kanaltunnel als reine LKW-Fähre nach Calais zu Seafrance wechselte.   

Bemühungen von Eurotunnel, sie weiterhin im LKW-Verkehr zwischen Calais und Dover zu halten, sind leider am Widerstand der britischen Wettbwerbsbehörde gescheitert, die sich mit nichts weniger als der restlosen Zerschlagung der ehemaligen My Ferry Link zufrieden geben wollte.

Das Foto zeigt sie im September 2015 im Freycinet-Hafen in Dünkirchen.

Nachtrag, 10.5., 19.30 Uhr: Im AIS erscheint sie bereits als Al Andalus Express.

Donnerstag, 21. April 2016

Belgien: Keine Prepaid-Karte mehr ohne Ausweis

Wer unerkannt seine Schwiegermutter stalken will oder schon immer einmal eine anonyme Bombendrohung abgegeben wollte, der muss sich beeilen. Die belgischen Telefonanbieter setzen ein neues Gesetz um, mit dem der anonyme Verkauf von Prepaid-Telefonkarten verboten wird.

Noch kann man in Belgien z.B. einfach zu Feinkost Albrecht gehen und ein Startset kaufen, ohne dass jemand nach Wer und Woher fragt. Mittlerweile weiß man, dass ein großer Teil der Kommunikation der Attentäter in Paris und Brüssel über Prepaid-Karten gelaufen ist, die sich niemand zuordnen ließen.

Das soll künftig vorbei sein. Mobistar installiert als erster Anbieter in allen Filialen Leser für die maschinenlesbaren belgischen Personalausweise. Ohne Ausweis gibt es dann keine Prepaid-Karte mehr. Wer bereits eine Karte hat, muss die Daten bei der nächsten Aufladung angeben. 

Ob das nun wirklich gegen Terrorismus helfen wird oder nur dazu dient, der großen Überwachungsmaschine noch mehr Futter zu verschaffen? Fragen Sie Ihren Arzt, Ihre Putzfrau oder Sascha Lobo.

Dienstag, 12. April 2016

ESB: Macht kaputt...

Sie haben gestern Abend noch mächtig randaliert. Auch wenn die Bank die Mittel für die Zahlung der Löhne für den Monat März freigegeben hat und noch über Kredite zur Zahlung im April und Mai verhandelt wird, hat sich die in eineinhalb Jahren mit mehreren fehlgeschlagenen Anläufen zur Wiederaufnahme des Betriebs aufgestaute Wut der Beschäftigten trotzdem ziemlich heftig entladen.

Sie haben mit Baggern und Gabelstaplern das Verwaltungsgebäude demoliert und die Reparaturwerkstatt geplündert. 

Bilder dazu gibt es bei La Meuse.

Montag, 11. April 2016

ESB Seraing: Ohrfeigen für die Direktion

Beim Elektrostahlwerk der ESB in Seraing ist es heute hoch her gegangen. 

Die vormalige Ellwood Steel Belgium war zwischenzeitlich von der Deutschen Georgsmarienhütte übernommen worden und firmierte seither unter Engineering Steel Belgium. Auch da wollte sich der erwartete Erfolg nicht so recht einstellen und es kam zu ersten Reibereien zwischen Belegschaft und Besitzer, weil man sich nicht über die Zukunft des Unternehmens und eventuelle Abfindungen einigen konnte. 

Einige Zeit darauf kam die nächste Übernahme, diesmal durch die luxemburgische Green-Elephant-Holding. Wer wirklich dahinter steckt, ist nie richtig klar geworden, aber Green Elephant hatte große Pläne. Sie wollten nicht nur die ESB, sondern Cockerill Ringmills gleich noch dazu, um in Seraing Spezialstähle zu produzieren und zu verarbeiten. Die Sache hatte nur einen Haken: die Luxemburger verlangten dafür von der Région Wallonne einen Kredit über 100 Millionen Euro. Der ist bis heute nicht gewährt worden. Nun geht ihnen offenbar das Geld aus.

Nachdem die Löhne für März bei ESB nicht mehr gezahlt worden waren, ist der Belegschaft heute der Geduldsfaden gerissen. Sie haben die dreiköpfige Geschäftsführung in ihren Büros festgesetzt und dazu vergattert, nach einer Lösung zu suchen. Aber auch der umgehend herbeigeeilte Vertreter der Bank konnte den gewünschten Überbrückungskredit nicht kurzerhand bewilligen.

Daraufhin sind wohl die Fäuste geflogen. Die Polizei ist angerückt und ein Mitglied der Direktion ist per Krankenwagen abtransportiert worden. 

Ob das dem Klima für die weiteren Verhandlungen zuträglich ist, wird man sehen müssen. 

Das Foto zeigt das Werk im Jahr 2006.