Mittwoch, 16. November 2011

Seafrance: Verkehrte Welt

Le monde à l'envers - verkehrte Welt - ist wohl die treffendste Beschreibung dessen, wie in Calais die Entscheidung des Pariser Handelsgerichts aufgenommen worden ist.

Die Mitarbeiter, allen voran die Vertreter der Gewerkschaft CFDT, haben den Beschluß des Gerichts mit Jubel begrüßt. Offenbar sehen sie die Tatsache, daß die Seafrance nicht gleich an LDA/DFDS abgegeben worden ist, als ihren großen Sieg.

Dies sei ein ganz tolles Weihnachtsgeschenk und eine große Erleichterung, so Didier Capelle, Sekretär der CFDT. Man müsse nun angesichts der Provokation der Direktion, den Betrieb für zwei Tage stillzulegen, besonders verantwortungsbewußt sein und wolle sich an die Politik, die SNCF und den Staat wenden, um die Übernahme durch die Mitarbeiter zum Abschluß zu bringen, bei der alle 880 Arbeitsplätze erhalten werden sollen.

Entweder wissen die mehr als wir oder sie sind immer noch nicht in der Realität angekommen.

Seafrance: Liquidation, oder vielleicht doch nicht

Das Handelsgericht hat heute die Liquidation der Seafrance mit vorläufiger Fortführung des Geschäftsbetriebs bis zum 28. Januar 2012 angeordnet.

Nun haben die Bieter nochmals bis zum 12. Dezember Gelegenheit, ihre Angebote aufzustocken. Das Gericht hat das Gebot des Konsortiums LDA/DFDS als nicht ausreichend erachtet. Außerdem sieht es die Gefahr eines schwerwiegenden sozialen Konflikts als zu hoch an. Weiterhin hält es den gebotenen Preis für die Übernahme der Schiffe für zu niedrig und aus wettbewerbsrechtlicher Sicht für problematisch.

LDA/DFDS hatten 5 Mio. Euro geboten und angekündigt, 460 Vollzeitstellen zu erhalten, die Reederei unter französischer Flagge fortzuführen und 50 Mio. in Reparaturen an den Schiffen zu investieren. Zurzeit sind bei Seafrance noch 880 Festangestellte und bis zu 200 Zeitarbeitskräfte tätig.

Den Vorschlag einer Übernahme der Gesellschaft durch die Mitarbeiter in Form einer Genossenschaft (SCOP) hat das Gericht abgelehnt. Es könne keinen Plan absegnen, zu dem es keinerlei Finanzierung gäbe.

Ende Oktober war ein ursprünglicher Sanierungsplan mit einer Rekapitalisierung durch die SNCF über einen Kredit in Höhe von 160 Mio. Euro von der EU-Wettbewerbskommission verboten worden. Dagegen will die französische Regierung nun klagen, wobei die Aussichten auf Erfolg gering sind.

Es bleibt also spannend.

Seafrance: Still ruht der Hafen



Heute soll das Handelsgericht in Paris entscheiden, wie es mit der Seafrance weitergehen wird.

Seit gestern morgen liegen alle Schiffe der Reederei in Calais im Hafen. Die Direktion hat eine 48stündige Betriebsruhe beschlossen, um das Urteil des Gerichts mit größter Besonnenheit aufzunehmen und die Sicherheit der Passagiere sowie die Unversehrtheit der Mitarbeiter und des Materials zu gewährleisten.


Offenbar haben sie Angst, daß die CFDT doch noch die Schiffe versenkt, wenn sie nicht bekommt, was sie will. Nach allem, was wir in den letzten Jahren erlebt haben, wäre das diesen Hitzköpfen glatt zuzutrauen. Das Fährterminal in Calais steht vorsorglich unter Polizeischutz. Zusätzlich ist die CRS - die französische Polizeitruppe für die gröberen Angelegenheiten - mit 1000 Mann im Hafen.

Dabei ist noch nicht einmal sicher, ob es heute zu einem Urteil kommt. Die französische Regierung hat angekündigt, in Brüssel gegen das Verbot der Sanierung in Form einer Rekapitalisierung durch die SNCF zu klagen. Es könnte also gut sein, daß das Gericht seine Entscheidung nochmals verschiebt, um den Ausgang dieser Klage abzuwarten.


Unterdessen hat die P&O bei der Wettbewerbskommission in Brüssel Klage dagegen eingereicht, daß einer ihrer Mitbewerber - also LDA/DFDS oder die New Seafrance bei einer Übernahme durch die Mitarbeiter - zu einem symbolischen Preis von 5 Mio. bzw. 1 Euro Schiffe im geschätzten Wert von 130 Mio. erhält, während der Staat in Gestalt der SNCF die gesamten Schulden übernimmt. Auch das sei eine unzulässige Subventionierung. Dieser Argumentation der P&O ist eine gewisse Logik nicht abzusprechen.

Mehr zum Thema, sobald sich Neues ergibt.

Foto: Die NPC im Hafen von Dover, Oktober 2011

Sonntag, 13. November 2011

Der Schein trügt

Ein kleines technisches Experiment vom gestrigen Samstag aus dem Hohen Venn bei Eupen in Ostbelgien...







Alle drei Bilder sind innerhalb weniger Minuten entstanden. Und allen ist eins gemeinsam: der Eindruck täuscht.

Wer will, kann in den Kommentaren gern seinen Verdacht äußern. Die Auflösung folgt am Montag.

P.S.: Die Bilder sind um 21.30 Uhr Ortszeit bei Vollmond aufgenommen. Pentax K-5, SMC-A 2.8/24 mm, f3.5, 30 s, ISO800

Freitag, 11. November 2011

Nach der Mama jetzt die Dame

Die Journalisten bei La Meuse ticken wohl irgendwie anders. Den Quatsch mit der Mama, wo jeder normale Mensch von der Mutter geschrieben hätte, hatten wir ja schon.

Heute lesen wir, daß eine Dame aus Waremme mit ihren beiden kleinen Kindern in den Wald gefahren ist, um ihnen den den Hals durchzuschneiden. Wirklich sehr damenhaft.

Dienstag, 8. November 2011

Jetzt geht das in Belgien auch schon los...



Sie befinden sich in einem Land, in dem die Verbreitung dieses Programms nicht erlaubt ist.

Nicht genug damit, daß die BBC bei Programmen auf ihrer Website schon länger ihre anal-retentive Phase hat, geht dieser Mist nun bei der RTBF auch noch los.

Wir reden hier wohlgemerkt nicht vom letzten Kassenfüller aus Hollywood, sondern von einer ganz normalen Eigenproduktion.

Montag, 7. November 2011

Seafrance Renoir in Indien

Nach einer Meldung in der Liste zu Schiffsverschrottungen von Robin des Bois liegt die Renoir vor Alang und wartet auf die Genehmigung, zum Verschrotten auf den Strand gesetzt zu werden. Die Cézanne liegt nach der gleichen Quelle vor Dubai.

Sonntag, 6. November 2011

Auch schon 10 Jahre her...



Heute vor 10 Jahren wurde die Société Anonyme Belge d'Exploitation de la Navigation Aérienne von der maroden Swissair mit in die Pleite gerissen.

Am 6. November 2001 wurde in Brüssel die Liquidation der Gesellschaft eröffnet.

Dienstag, 1. November 2011

Who wants to live forever?



Passend zu Allerheiligen hat ein großes belgisches Bestattungsunternehmen die Top 50 der Musiktitel veröffentlicht, die bei den Trauerfeiern von den Angehörigen gewünscht werden.


Hier einige der Highlights:

Non, je ne regrette rien - Edith Piaf
Nothing else matters - Metallica
November Rain - Guns N' Roses
Who wants to live forever? - Queen
Stairway to heaven - Led Zeppelin
Stay with me 'til the morning - Nana Mouskouri
I will survive - Gloria Gaynor

Dieses Musikprogramm soll einer der Gründe sein, weshalb immer mehr Trauerfeiern in die Trauerhalle eines Bestattungsunternehmers , das sog. funérarium, verlegt werden. Die Kirchen lassen sowas nicht zu. Die vollständige Liste gibt es übrigens hier.

Foto: Der Friedhof von Dampremy bei Charleroi. Im Hintergrund der Hochofen von Carsid.