In Sowjetzeiten gab es den Witz von jemand aus der tiefsten Provinz, der
in Moskau herumlief und alle Leute nach dem Kaufhaus 'Prinzip' fragte.
Die Moskauer schüttelten nur den Kopf und hatten nie davon gehört. Ja
aber in der Provinz hieße es doch immer, für dieses oder jenes müsse er
nach Moskau fahren. Dort gäbe es im Prinzip alles...
Wenn es das 'Prinzip' jemals gegeben hat, dann in Boulogne-sur-Mer, genauer gleich nebenan in Outreau.
Das gesamte Personal bestand aus Mitgliedern der Familie Bridenne. Da fand sich nur jemand zurecht, der darin aufgewachsen war, denn der Laden war sprichwörtlich vollgestopft. Auch der Boden zwischen den Regalen lag voll mit Waren.
Irgendwann brauchten wir Schneckenzangen. Der Kunde vor uns fragte nach Lampendochten. "Habe ich heute Morgen noch welche gefunden." Unsere Schneckenzangen zog der Verkäufer in einem Regal blind unter einem großen Haufen anderer Artikel hervor. In ähnlicher Weise, haben sie angeblich auch ihre Buchhaltung gemacht. Ihren Jahresabschluss hätten sie, so hieß es, in einem Waschmaschinenkarton voller Belege zum Finanzamt getragen.
Hier ein Blick auf die Abteilung Flaschengase und Kunststoffwannen.
Letztere wurden von den Fischern gebraucht, um ihren Fang anzulanden.
Ende der 80er war unsere liebe Freundin Madeleine von Köln in ihre alte
Heimat zurückgekehrt, nachdem sie das Haus ihrer Mutter geerbt hatte.
Wir haben ihr beim Einräumen geholfen, Lampen angebracht usw.
Auf dem Weg nach Boulogne waren einige Glühlampen zu Bruch gegangen.
Dummerweise waren Lampen zum Einschrauben dort völlig unüblich. Alles
nur mit Bajonettfassung.
Also auf zu Bridenne. 40 W, E27 Schraubfassung? "Natürlich. Wieviele?" Sechs Stück
bitte. Bei Madeleine eingeschraubt, eingeschaltet... Zätsch!!! Alle
Lampen und die Sicherung durchgebrannt.
Beim näheren Blick auf die Schachteln fiel er doch auf, der verblasste
Stempel: 24 V. Bootsbedarf, da waren Schraubfassungen üblich. Sie haben
sie anstandslos zurückgenommen, und Bleidraht für die altertümlichen
Porzellan-Sicherungsbänkchen hatten sie auch.
Um 2009 ist der Laden leider geschlossen worden und das Gebäude beherbergt heute ein wenig originelles Labor für medizinische Analysen.
Scan vom Dia
Boulogne-sur-Mer (F-62) Sommer 1987 - Voigtländer VSL1, Color-Ultron 1.8/50 mm und Pentacon 2.8/29 mm



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