Dienstag, 15. April 2014

Tiefflieger



Rase-Motte heißt das Binnenschiff, von raser = rasieren, streifen und motte = Scholle, Acker. 

Der deutsche Begriff wäre Tiefflieger, was nicht einmal so daneben ist, denn viel Wasser hat er nicht unter dem Kiel, wie man an dem Schlamm sieht, den er mit der Schraube aufwirbelt.

Aufgenommen im Dezember 2007 am Kanal Calais - Saint Omer.

Hennuin (62), 27.12.2007 - Pentax K10D, SMC-M 2/35 mm

Mittwoch, 9. April 2014

Nicht nach Leuven fahren!

Irgendwas auf der Website zur Ausstellung 100 jaar radio in België im Funkhaus in Leuven hatte mich stutzig gemacht und ich habe sicherheitshalber nachgefragt. Tatsächlich: da bauen die so eine tolle Ausstellung auf und lassen nur Besuchergruppen hinein. 

Sie hätten aber mittlerweile so viele Anfragen von Einzelpersonen bekommen, dass sie über eine Lösung nachdenken und mir ggf. Bescheid sagen wollten. Immerhin.

Denn das wäre ja nun wirklich zu schade.

Dienstag, 8. April 2014

Geschichten aus dem real existierenden Kapitalismus (16)

Heute: von dem Gesetz, das völlig nach hinten losging 

Gut gemeint ist bekanntlich das Gegenteil von gut gemacht. Irgendwann haben unsere Politiker sehr richtig gemeint, dass es ein Unding ist, uns ewig in Warteschleifen versauern zu lassen und dafür auch noch saftige Gesprächsgebühren zu verlangen.

Seither dürfen die ganzen Callcenter uns die Gebühren erst ab dem Moment berechnen, wo auch wirklich jemand ans Telefon geht. Bis dahin gehen die Kosten offenbar zu ihren Lasten.

In der Praxis sieht das - am Beispiel einer bekannten Kaffeebude, die nebenher mit allem möglichen Kram handelt - jetzt so aus:

"Willkommen beim Service von XYZ. Ihre Wartezeit beträgt voraussichtlich x Sekunden. Bis dahin ist dieser Anruf für Sie selbstverständlich kostenlos."

Kleiner Witz am Rande: die voraussichtliche Wartezeit betrug... zwei... Sekunden.

Es folgt eine Weile Gedudel und der übliche Hinweis, dass man sein Geld bei ihnen gern auch direkt auf der Website ausgeben kann.

Noch zehn Sekunden Gedudel. Mittlerweile ist etwa eine Minute vergangen. Und schon kommt der Hinauswurf:

"Leider sind alle Mitarbeiter im Gespräch. Damit dieser Anruf für Sie auch weiterhin kostenlos bleiben kann, müssen wir aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen die Verbindung leider trennen." Tuut... tuut... tuut...

Den Teufel müsst Ihr. Und aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen schon garnicht. Euch wäre es nur lieber, wir würden Euch überhaupt den Buckel hinunterrutschen und statt Ersatzteilen gefälligst Neugeräte kaufen.

Das ist überhaupt nicht gut für die Kundenbindung.

Sonntag, 6. April 2014

Buchtipp: 100 ans de Radio en Belgique

Am 28. März 1914 wurde aus dem königlichen Schloss in Laeken erstmals ein Konzert per Radio übertragen. Diese Konzerte wurden bis zum Einmarsch der deutschen Truppen in Brüssel jeden Samstag gesendet. Das dürfte der erste regelmäßige Hörfunk in Europa gewesen sein. Damit können die Belgier 2014 das 100jährige Jubiläum ihres Radios feiern.

Das Buch zeichnet dessen Geschichte bis heute nach. Vom INR über die RTB bis zur RTBF, die französischen Radios Périphériques, also Europe 1 und RTL, den Kampf der Radios Libres in den 80ern bis zu den heutigen Privatsendern. Dazu all jene, die Radio in Belgien gemacht und geprägt haben.

Technisch interessierte werden weniger auf ihre Kosten kommen, was schade ist, denn die belgische Radioindustrie war bis in die 70er Jahre sehr vielfältig. Eine CD zum Buch wäre zudem nett gewesen.

Ein Buch für 'gelernte' Belgier und ausgemachte Belgophile.


100 ans de radio en Belgique
Hardcover, 2013

Verlag: La Renaissance du livre
ISBN 2507051730
Preis: 29,90 €

Freitag, 4. April 2014

Belgisches Florange-Gesetz kommt vorerst nicht

Das in Belgien geplante Gesetz, das es möglich machen sollte, Unternehmen zu enteignen, die sich weigern, rentable Anlagen zu veräußern statt sie stillzulegen, kommt vorerst doch nicht. Es gehört zu den Projekten, die die jetzige Regierung aufgibt, weil sie in der laufenden Legislaturperiode nicht mehr zum Abschluss gebracht werden können.

In Frankreich gibt es ein solches Gesetz mittlerweile. Angestoßen wurde es durch die Vorgänge um die Schließung des Arcelor-Hüttenwerks im lothringischen Florange. Es ist daher als loi Florange bekannt.

Dienstag, 1. April 2014

Lüttich: Teile der Flüssigphase gerettet!

Immer, wenn man glaubt, jetzt ist endgültig Schluss, kommt es in Lüttich zur nächsten Überraschung. Wie soeben bekannt wurde, ist es der Région Wallonne mit Hilfe privater Investoren gelungen, Teile der Flüssigphase in Lüttich zu retten. 

Konkret geht es dabei um die Sinteranlage in Ougrée. Dabei handelt es sich um eine beheizte Bandanlage mit einer Länge von knapp 100 und einer Breite von 11 Metern mit nachgeschalteter Kühlung, auf der bisher das für den Hochofen bestimmte Material aufbereitet wurde. 

Diese Anlage soll nun von einem Unternehmen aus Andenne übernommen und für deren Produktion umgebaut werden. Dort suchte man schon länger nach einer Möglichkeit, die Produktionskapazitäten erheblich zu erweitern, und wird nun bald über die weltweit größte Fertigungsstraße ihrer Art verfügen. 

Der Geschäftsführer erklärte hierzu: "Wir sind begeistert von den Möglichkeiten, die uns der neue Standort bieten wird, und erwarten, damit endgültig zum weltweiten Marktführer aufzusteigen."

Auch die Gewerkschaften zeigten sich zufrieden mit der jetzt gefundenen Lösung. Sie hatten ihre Unterstützung davon abhängig gemacht, dass im weiteren Verlauf geprüft wird, ob auch der Hochofen für die neue Produktion angepasst werden kann.

Mit der Aufnahme des  Betriebs wird bereits zum 1. April 2015 gerechnet.

Sonntag, 30. März 2014

Hayange hat jetzt auch einen FN-Bürgermeister

So etwas passiert, wenn die klassischen Parteien sich beim zweiten Wahlgang nicht einmal auf eine Taktik einigen können, um den Sieg der Rechtsextremen zu verhindern.

Jetzt haben 36 Prozent der Stimmen gereicht, um den Kandidaten des Front National in Hayange auf den Stuhl des Bürgermeisters zu bringen. Damit regiert dort künftig ein 35jähriger Gemeindearbeiter, der schon vor Jahren aus der Gewerkschaft ausgeschlossen worden wurde und sich bisher vor allem als engagierter Rassist hervorgetan hat.

Helfen wird es den Leuten in Hayange natürlich nicht im geringsten, aber wundern darf man sich auch nicht, nachdem die Sarkozy-Regierung sie nach Strich und Faden verarscht hat und die Sozialisten im Zusammenhang mit der Stilllegung des Hüttenwerks außer großen Worten auch nichts auf Reihe bekommen haben. Das tolle neue Florange-Gesetz hilft ihnen auch nicht mehr.

Das Foto zeigt die Hochöfen des mittlerweile stillgelegten Arcelor-Hüttenwerks in Hayange bzw. Florange.