Donnerstag, 2. Juli 2015

Die gute alte Zeit

Sag noch mal einer, die gute alte Analogfotografie hätte nicht auch ihre Vorteile gehabt.

Bei der Hitze hätte man sich früher ins angenehm kühle Kellerlabor verzogen und ein paar Abzüge gemacht.

Da steht zwar immer noch alles, aber dazu unterdessen auch soviel Gerümpel, dass ich kaum noch zur Tür hereinkomme.

Mittwoch, 1. Juli 2015

Auf Badelatschen in den Tunnel

In den letzten Wochen sind mehrmals streikende Seeleute der SCOP Seafrance in das Terminal des Kanaltunnels eingedrungen

Die Leichtigkeit, mit der ihnen das möglich war, fällt unterdessen auch der Presse auf, zumal sich Eric Vercoutre gestern vor Journalisten damit gebrüstet hat, er sei auf Badelatschen hineinmarschiert.

Tatsächlich gibt es in der Nähe der Tunneleinfahrt Gittertore als Zugang für die Rettungswege, die offenbar so wenig Widerstand bieten, dass 16 Streikende gestern fahnenschwenkend bis an die Stelle spaziert sind, an der man im Bild oben den Triebkopf des Eurostar-Zugs sieht, um auf den Gleisen ein paar Autoreifen zu verbrennen.

Zudem hat es in letzter Zeit mehrfach Fälle gegeben, in denen Migranten zu Fuß in den Tunnel gelaufen sind, um nach England zu gelangen. 

Nun kratzt man sich in Frankreich am Kopf und fragt sich - nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Attentate der letzten Tage -  wie wenig der Tunnel eigentlich gegen Terroristen geschützt ist.

Eurotunnel als Betreiber ist das Problem schon länger bekannt. Für die Sicherheit des Tunnels sind jedoch die britische und die französische Regierung zuständig. Die Kanaltunnelgesellschaft hat schon mehrfach an die Regierungen appeliert und beklagt sich nun öffentlich, bisher sei nichts unternommen worden.

MFL: Streik, dritter Tag

In Calais liegt weiterhin alles still. Ob Dünkirchen auch blockiert ist, ist unklar. Nachdem die Anlegeversuche mit der Spirit of France in Boulogne gestern erfolgreich verlaufen sind, erwartet P&O für heute Mittag die offizielle Zulassung der Spirits für Boulogne. Die Spirit of France liegt gerade in Dover und lädt.

Vercoutre und seine Kumpane haben die Nacht auf der Berlioz und der Rodin verbracht und vor Ort heißt es, es sei heute morgen verdächtig ruhig. Das wird sicher nicht den ganzen Tag so bleiben.

Die weitere Entwicklung gibt es hier, solange nichts ganz sensationelles passiert, als Updates zu dieser Nachricht. 

Update, 15.00 Uhr: Vercoutre hat für heute einen Ruhetag angekündigt. Es wird nur die Blockade des Hafens und die Besetzung der Schiffe aufrechterhalten. Dafür soll es morgen und übermorgen erst recht rund gehen. Unter anderem ist eine 48-stündige Blockade aller Zufahrten des Kanaltunnels angekündigt.

Update: 19.00 Uhr: Die Streikenden wollen den Schiffen der P&O ab heute 20 Uhr bis morgen Mittag Zugang zum Hafen in Calais gewähren. Hintergrund scheint ein geplantes Treffen zwischen Vertretern der SCOP und Verkehrsstaatssekretär Alain Vidalies zu sein. Von diesem Treffen hängt angeblich ab, ob die Blockade endgültig aufgehoben wird. 

Dienstag, 30. Juni 2015

MFL: Spirit of France unterwegs nach Boulogne

Jetzt wird es interessant. Die Spirit of France, also eine der beiden neuen Riesenfähren von P&O, ist auf dem Weg nach Boulogne, wahrscheinlich leer und zu Anlegeversuchen.

Offenbar wollen sie Vercoutres Jungs jetzt einmal so richtig zeigen, was eine Harke ist.

MFL: Streik, zweiter Tag

Nichts geht in Calais. DFDS fährt mit den 3 D's und der Calais Seaways nach Dünkirchen und gerade ist die Pride of Burgundy mit einer vollen Ladung LKW unterwegs nach... Boulogne! 

Sie wird allerdings nur entladen und für die Rückfahrt keine Fahrzeuge mitnehmen. Wahrscheinlich wäre es vom Personal her nicht so einfach, das Terminal in Boulogne für abgehenden Verkehr mit Passkontrolle, Sicherheitscheck usw. zu besetzen.

P&O hat vor ein paar Jahren in Boulogne Anlegeversuche mit der LKW-Fähre European Seaway gemacht, die auch problemlos gelaufen sind. Die drei  Kastenbrote (Pride of Burgundy, Kent und Canterbury) haben identische Abmessungen. Rein technisch wäre also ein Betrieb zwischen Dover und Boulogne mit drei Schiffen möglich. Vielleicht erleben wir in den nächsten Tagen noch eine Überraschung.

Das Foto zeigt das Terminal in Boulogne 2010 mit der seinerzeitigen Ostend Spirit (alias Norman Spirit, die jetzige Calais Seaways).

Update, 14.15 Uhr:  P&O setzt tatsächlich alle drei Kastenbrote nach Boulogne ein. Offenbar aber nach wie vor nur in Richtung Kontinent. 

Der Tunnel ist mittlerweile auch wieder blockiert. Die Eurostar-Züge fahren ebenfalls nicht. Dazu kommen weitere Aktionen wie eine action escargot auf der A16 zwischen Calais und Loon Plage, um den Verkehr zum Fährterminal in Dünkirchen zu behindern. Diese "Aktion Schnecke" ist sonst eine beliebte Protestform unzufriedener Landwirte oder Fernfahrer. Sie behindern einfach mit einem Pulk im Schritttempo fahrender Fahrzeuge den Verkehr.

La Voix du Nord berichtet von ersten Sabotagemaßnahmen auf den Schiffen Rodin und Berlioz. Angeblich haben Vercoutres Partisanen die Evakuierungsanlage mit den Notrutschen funktionsunfähig gemacht.

Update, 19.00 Uhr: Die Polizei in Kent hat erstmals Phase 3 von Operation Stack ausgerufen. Jetzt wird auch die Fahrbahn Richtung London der M20 zum LKW-Parkplatz umfunktioniert.  

Derweil sind die Streikenden der SCOP aus dem Terminal des Kanaltunnels entfernt worden, haben aber schon die nächste Blockade angekündigt. Außerdem blockieren sie nun auch die Zufahrt zum Fährterminal in Dünkirchen. 

Die französische Politik wird ebenfalls aktiv. Morgen soll es ein Treffen von Vertretern der SCOP mit Verkehrsstaatssekretär Vidalies geben und für Freitag wird ein Treffen von Tunnelchef Gounon mit dem französischen Wirtschaftsminister Macron in Aussicht gestellt, das Gounon allerdings davon abhängig macht, dass die Leute der SCOP bis dahin die Schiffe verlassen haben, was Vercoutre energisch zurückweist. Der hat bei einer Pressekonferenz erklärt, der Hafen in Calais werde bis auf weiteres blockiert.
 

Montag, 29. Juni 2015

MFL: Wieder Streik in Calais

Heute Nachmittag hat das Gericht in Boulogne sur Mer den Antrag der SCOP Seafrance, die Laufzeit des Vertrags zwischen Eurotunnel und SCOP um zwei Monate zu verlängern, um der SCOP mehr Zeit zu geben, ihr Angebot zur Übernahme der MFL auszuarbeiten, abgelehnt. Damit läuft dieser Vertrag am Dienstagabend um Mitternacht aus.

Als Reaktion darauf haben die Mitarbeiter der SCOP den Streik ausgerufen. Sie haben die Anleger für die Fähren besetzt und der Hafen ist damit blockiert. Das dürfte jetzt eine Weile so bleiben. 

Die Spirit of France war gerade vor Calais eingetroffen und ist nach Dover zurück gefahren. 

Als nächstes wird es wohl wieder zu Blockaden beim Tunnel kommen, denn dort sitzt nach den Gewerkschaftlern der MFL der böse Feind in Gestalt von Jacques Gounon, dem CEO von Eurotunnel.

In Calais sitzen Busladungen von Schulkindern fest und auch die Fernfahrer auf beiden Seiten des Kanals sind in den nächsten Tagen nicht zu beneiden, zumal Temperaturen von 35 Grad und mehr vorhergesagt werden.

Auf der englischen Seite wird in den nächsten Stunden die sog. Operation Stack eingeleitet werden. Das ist ein Notfallplan, der für Probleme bei Tunnel und Fährverkehr vorgesehen ist. Dann werden bestimmte Autobahnabschnitte (z.B. Maidstoine - Ashford) gesperrt und zu LKW-Parkplätzen umfunktioniert, weil weder in Dover noch am Tunnelterminal ausreichend Platz vorhanden ist, um solche Mengen an LKW unterzubringen. 

P.S., 21.00 Uhr: Stufe 1 von Operation Stack ist in Kraft. Wenn es noch dicker kommt, sperren sie in Stufe 2 auch die Gegenrichtung, um noch mehr LKW aufzufangen.

Aktuelle Lageinformationen von P&O gibt es bei Twitter.

Dienstag, 23. Juni 2015

MFL: Streik in Calais

Der Fährverkehr zwischen Dover und Calais liegt seit dem frühen Morgen völlig still. Bei MFL wird gestreikt und die Streikenden haben die Anleger des Hafens in Calais besetzt. Die Malo Seaways der DFDS lag bereits vor Calais und  musste nach Dover zurückfahren, ohne entladen zu können. 

Auch das Terminal des Kanaltunnels war vom frühen Morgen an blockiert worden, bis es gegen Mittag von den CRS geräumt wurde. Auf den Zubringern zum Hafen und Tunnel sowie auf der A16 stauen sich die LKW kilometerweit. Der Hafen soll noch bis mindestens 20 Uhr geschlossen bleiben. 

DFDS lässt die Calais Seaways vorerst zwischen Dover und Dünkirchen verkehren. Mit der Malo Seaways ist das nicht möglich, da es bisher nie Anlegeversuche in Dünkirchen gegeben hat und sie für dort keine Zulassung hat.

In Calais kreisen erste Zahlen zur Anzahl der Mitarbeiter, die DFDS von der SCOP Seafrance übernehmen will, und die sind erschreckend niedrig. Die Rede ist von etwa 120. Das nährt Gerüchte, dass DFDS eventuell nur eines der beiden Schiffe von Calais aus verkehren lassen will. 

Update, 16.50 Uhr: Der Tunnel ist auch wieder blockiert. Jetzt machen die Jungs von der SCOP ihr Feuerchen auf den Eisenbahnschienen. Dabei dürften im Zweifelsfall Schwellen und Leitungen beschädigt werden, was für einen längeren Ausfall sorgen könnte.